Obgleich die ersten Kunstrasenmodelle in den 60er und 70er Jahren in den USA für Sporthallen gewebt wurden, war einer der wichtigsten Vorteile dieses Produkts, dass es den Anspruch von vielen Nutzungsstunden erfüllte. Derzeit findet der bereits im Sportbereich eingeführte Kunstrasen auch als dekorativer Bodenbelag in Wohn-, Gewerbe- und Landschaftsgebieten, sowie in Bildungseinrichtungen Anwendung.
SPORTLICHER KUNSTRASEN
Kunstrasen wurde erst bekannt, nachdem das Produkt im Jahr 1966 im Astrodome-Stadion in Houston, Texas, eingeführt worden war. Ein sehr niedriger Rasen, bestehend aus Polyamid-Fasern (PA) und montiert auf einer elastischen Basis. Das Stadion hatte sich für die Verwendung dieses Produkts entschieden, weil es sich um eine sonnen- und lichtlose Halle handelte, die in eine Mehrzweckhalle verwandelt werden sollte. Seitdem hat sich der Kunstrasen weiter entwickelt und wurde in mehreren Baseball- und Fußballstadien in den USA und in Fußballstadien in Europa verwendet.
Anfang der 70er Jahre wurden auf Polypropylenglasfasern (PP) basierende Produkte entwickelt, weniger widerstandsfähig als die Polyamidfasern, aber auch weniger abrasiv, wodurch die Gefahr von Verbrennungen reduziert wurde. Während dieser Zeit wurde der sportliche Kunstrasen nach wie vor wegen der besseren Stoßdämpfung auf eine flexible Grundlage gelegt. Diese Art von System ist heute in der Industrie als die erste Generation von Kunstrasen bekannt.
Bei der zweiten Generation, die Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre bei den Olympischen Spielen für Hockey in Montreal in Erscheinung trat und auch in hervorragenden Fußballstadien wie Queens Park Ranges, Stirling Albion und Luton Town, u.a., handelte sich um ein sehr ähnliches System, bei dem der Unterschied in der Höhe der Fasern (bis zu 30 mm)bestand, die mit Quarzsand gefüllt wurden zur Verbesserung der Schuhgleitfähigkeit und Verminderung der Faserzerquetschung.
Trotz des offensichtlichen Erfolgs von Kunstrasen traten in den 80er Jahren in der offiziellen Fußball-Liga Zweifel an der weiteren Verwendung von Kunstrasen auf. Fußballfans und Spieler begannen ihrer Unzufriedenheit gegenüber dieser Art von Bodenbelag aus mehreren Gründen Luft zu machen: Der Abprall des Balles sei unberechenbar, Spieler müssten spezielle Schuhe verwenden und erlitten Verletzungen durch die harte und abrasive Oberfläche, die Anstrengung sei grösser im Vergleich zu Naturrasen und die Maßhaltigkeit sei nicht angemessen.
Der Ruf von Kunstrasen war in wenigen Monaten stark angeschlagen.
Die Industrie sah das durch Kunstrasen erreichte Prestige in Gefahr und war gezwungen, nach neuen Alternativen und Investitionen für die Entwicklung neuer Materialien und Bausysteme zu suchen, um die Branche wieder zu beleben. Und so kam es, das Anfang des 21. Jahrhunderts Kunstrasen seine Wiederkehr feierte, und zwar im Jahr 1997 mit der so genannten dritten Generation, die sich weiterentwickelte und bis heute besteht. Es handelt sich um einen sicheren, stärkeren Kunstrasen, dessen Eigenschaften dem Naturrasen ganz nah kommen.
Bestehend aus Fasern von bis zu 60 mm Höhe, unterscheidet sich der Kunstrasen der dritten Generation von seinen Vorgängern durch die Einbeziehung der Polyethylenfasern (PE), die weicher und langlebiger als Polypropylenfasern (PP) sind, dank der einfachen Faserstruktur - Monofasern - und dem Gummigranulat als zusätzliche Polsterung neben dem Quarzsand.
Das neue System hat einige Verbesserungen im Bereich des Spieles mit sich gebracht: Geringere Abschürfungen, mehr Dämpfung und Absorptionskapazität, mehr Haltbarkeit und damit eine stärkere Annäherung an natürlichen Rasen. Die Gestaltungs- und Strukturverfeinerung des Kunstrasens hat beachtliche Fortschritte für die Gesundheit der Spieler (Verminderung der Anzahl von Verletzungen, verringerte Müdigkeit…) und erhebliche Einsparungen für die Betreiber von Sportanlagen mit sich gebracht.
Die Einführung von texturierten Monofasern in der Kunstrasenweberei, in Kombination mit anderen Fasern (fibrillären oder Monofasern), bietet eine bessere Federung und machen die Sand- bzw. Gummi- und Sandfüllung stabiler.
DEKORATIVER KUNSTRASEN
Bei der Verwendung von synthetischem Rasen in Wohngebieten und im Landschaftsbau hat der dekorative Kunstrasen auch wichtige Veränderungen durchgemacht, sogar noch erheblichere als im sportlichen Bereich. Manche Veränderungen haben erst vor Kurzem stattgefunden, so dass es nach wie vor üblich ist, überraschte Gesichter beim Anblick der auf dem Markt erschienenen neuesten Produkte zu sehen.
Der dekorative Kunstrasen hat seinen Ursprung in den frühen 80er Jahren, als die Anwendung dieses Produktes Mode war. Es wurde bei Schwimmbädern, Kindergärten, Schaufenstern, Theaterbühnen, usw. eingesetzt.
Diese Art von Rasen bestand aus feinen fibrillären Polypropylenfäden (PP) die mit dem Tufting-System hergestellt wurden, auf etwa 7 mm Höhe. Die Garantien dieser Teppichböden waren fast Null und ihre Kosten waren günstig im Vergleich zu den heutigen Produkten. Dieser grüne Teppichboden gab das Gefühl von Grün nur rein visuell, wegen der Farbe, aber er war auf keinen Fall vergleichbar mit natürlichem Rasen. Der Zweck war rein dekorativ und die erforderliche Installation ganz einfach: er wurde entweder auf den Boden geklebt oder man lies ihn einfach fallen.
Nach dem Boom des sportlichen Kunstrasens in den 90er Jahren haben mehrere Hersteller beschlossen, Kunstrasen in die Welt des Landschafts-und Gartenbaus einzuführen, mit dem gleichen Herstellungsverfahren, aber ohne die Gummifüllung. Aber der dekorative Kunstrasen hatte noch ein langen Weg vor sich, weil die Fasern noch immer zu rau waren und dem Rasen nicht das natürliche Aussehen verleihen konnten, das jeder Gartenbesitzer haben will.
Mit dem Entstehen neuer Arten von weicheren, elastischeren und stärkeren Polyethylenfasern (PE) und dem Aufkommen neuer Anbieter in der Branche seit dem Jahr 2000 hat es Kunstrasen geschafft, natürlichen Rasen fast perfekt zu simulieren, und das bei Garantien von mehr als 5 Jahren.
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